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Neuer Broker-Dienst auf dem Datenhighway
Von JÖRG BIRKELBACH
Nideggen - Der Wunsch ihren Marktanteil bei Broker-Diensten weiter auszubauen, hat die Fidelity Brokerage Group (FBG) zu einer neuen Vision beflügelt: Die Vorstellung einer Welt ohne Grenzen, in der Investoren praktisch jedes Wertpapier kaufen oder verkaufen können, an jedem Börsenplatz der Welt, am Tag und in der Nacht. Die FBG ist angetreten, um das volle Spektrum eines Brokerage Services anzubieten, und damit die Konkurrenz aus dem Felde zu schlagen.
Der Fidelity Brokerages Services (FBS), eine Division der FBG, spielt in diesem Zusammenhang eine besondere Rolle. FBS bietet eine recht anspruchsvolle Dienstleistung bei vergleichsweise günstigen Konditionen an. Als Zielgruppe haben die Verantwortlichen vor allem unabhängige Anleger, institutionelle Investoren, selbständige Vermögensverwalter und deren Kunden im Visier. FBS garantiert dabei die Abwicklung der kompletten Palette der weltweit verfügbaren Anlageinstrumente, so z.B. Aktien, Bonds und Fondsanteile.
Der entscheidende Unterschied und das eigentlich Neue an dem FBS-Konzept: Das Unternehmen konzentriert sich auf die technische Abwicklung der Geschäfte. Im Unterschied zu anderen Brokeragediensten bietet FBS weder Anlageempfehlungen, noch Hilfestellungen bei der Umsetzung der Anlageentscheidungen an. "Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, unseren Kunden eine rasche, sichere und vor allem kostengünstige Abwicklung von Börsenorders zu bieten", so Andrew Garai, für das Europageschäft verantwortlicher Direktor von FBS. "Unsere seit 1988 in Großbritannien gemachten Erfahrungen und die mittlerweile überall verfügbaren Online-Medien helfen uns natürlich bei der Umsetzung dieser Strategie."
Den institutionellen Kunden von FBS steht mit der Software "Vision Plus" ein Programm zur Verfügung, mit dem sie jederzeit online per Computer auf aktuelle Informationen über die von ihnen durchgeführten Transaktionen zugreifen können. Darüber hinaus kann sich der Kunde auch einen Überblick über die nach Anlagegattungen und Währungen aufgesplitteten Kontostände seiner Klientel verschaffen. Sämtliche mit einer Kontoverbindung im Zusammenhang stehenden administrativen Vorgänge, wie die eigentliche Kontoeröffnung oder die Vergabe von Vollmachten, können ebenfalls online abgewickelt werden. Über die Abwicklungsleistungen hinaus, stellt FBS dem privaten Vermögensverwalter außerdem eine umfassende Investmentdatenbank zur Verfügung, die neben Echtzeitkursen und Fundamentaldaten auch Nachrichten beinhaltet.
Die Rahmenbedingungen für die Vermarktung einer solchen Dienstleistung scheinen ausgesprochen günstig. Die Verfügbarkeit von Onlinemedien und damit von börsenrelevanten Informationen, versetzen Privatanleger in eine erheblich verbesserte Situation. Die Transparenz über die Konditionen vieler Banken wird ebenso gefördert, wie der Wunsch nach direkter Abwicklung von Börsengeschäften. Eigens zu diesem Zweck sind fast alle Banken hierzulande dazu übergegangen, Direktbanken oder Diskount Broker zu gründen oder mit diesen zu kooperieren.
Die Folgen dieses Strukturwandels werden in nicht allzu langer Zeit deutlich werden: Riesige Depotbestände wandern zu den Billiganbietern ab, oder es kommt zu einem erheblichen Margendruck beim Mutterhaus. Beinahe unvermeidlich sind Personalfreisetzungen in einem bisher nie dagewesenen Ausmaß, insbesondere im Bereich der Anlageberatung. Die eher durchschnittlichen und das unternehmerische Risiko scheuenden Anlageberater werden ihren Unterhalt zukünftig als Telefonberater in Call-Centern verdienen müssen. Die besseren - oder die, die sich dafür halten - und die unternehmerisch denkenden Vermögensmanager werden sich kurz über lang selbständig machen, um ihren Beruf weiter auszuüben.
Die FBS sieht in ihnen eine ideale Zielgruppe für ihren Komplett-Service. Dieser umfaßt auch die Möglichkeit, die Post mit einem eigenen Firmenlogo zu versehen, so daß FBS für den jeweiligen Endkunden gar nicht sichtbar wird. Gewinnen wird vor allem der Verbraucher, der von einer verbesserten Abwicklung seiner Transaktionen bei niedrigeren Kosten profitieren wird, schätzt der Fidelity-Manager.
Copyright: DIE WELT, 25.1.1996