
Software für Home-Börsianer
Große Unterschiede zwischen den Programmen - WELT-Vergleich
Von JÖRG BIRKELBACH
Nideggen - Das Angebot an Börsensoftware wächst. Begünstigt durch den Preisverfall am PC-Markt und das ständig steigende Angebot an Online-Informationen nutzen immer mehr Geld-Anleger die Möglichkeiten der Kursanalyse und -prognose vom eigenen Schreibtisch aus.
Dabei sind die Programme mittlerweile nicht mehr nur in der Lage, den Kursverlauf (Chart) der Aktien darzustellen. Zusätzlich berechnen sie technische Indikatoren und bieten Kursprognosesysteme auch auf Basis neuronaler Netze. Über Online-Dienste wie Telekom Online, Compuserve oder das Internet können Kurse, Fundamentaldaten, Charts und Wirtschaftsnachrichten auf den eigenen PC übertragen werden. Umfang, Qualität und Aktualität der Programme und der zur Verfügung stehenden Informationen werden mittlerweile auch von Vermögensverwaltern und Anlageberatern eingesetzt.
Dabei ist auch in diesem Software-Bereich das Windows-System dabei, zum Standard zu werden. Die Bedienung der oft sehr komplexen Programme ist damit wesentlich komfortabler als auf den alten DOS-Systemen. Auch Gitta Schweizer, Marketingchefin der Entwicklungsfirma Lenz und Partner, bietet seit vergangener Woche ihr Anlage-Programm Tai Pan für Windows. Die DOS-Version von Tai Pan gehört schon seit Jahren zu den führenden Programmen im Markt der Börsenanalyse.
Börsensoftware gibt es für nahezu alle Aspekte und verschiedenen Anspruchsniveaus der Geldanlage. Einfache Programme beschränken sich im Analysebereich auf wenige Chartdarstellungsarten und Indikatoren und die Auswertung der wichtigsten Fundamentaldaten. Andere wie zum Beispiel Chartheft 3.0, Winsider, Tai Pan, World Money, NWP Börse, Metastock, Parity Plus, Supercharts oder Market Maker bieten einiges mehr. So können Kauf- oder Verkauf-Indikatoren selbst definiert werden, auch Optionen und Optionsscheine sind in die Bewertung einbezogen. Lediglich die Analyse von Renten und Investmentfonds kommt zu kurz. Filter, die dem Home-Börsianer die zeitaufwendige Auswertung der Basisdaten abnehmen und nur die Werte mit Kauf- oder Verkaufsignalen anzeigen, sind bei den Marktneuheiten Chartheft 3.0 und dem baugleichen NWP Börse für Windows enthalten.
Die manchmal ernüchternde Überprüfung der Indikatoren auf ihre Profitabilität findet der Privatspekulant vor allem bei den US-amerikanischen Spitzenprogrammen Metastock, Parity Plus und Supercharts. Diese Funktion zeigt nicht selten, daß Gewinne im - kurzfristig orientierten - Handel durch die Transaktions-Spesen wieder aufgefressen werden.
Um die Kurstrends vorherzusagen, können auch im Privatbereich neuronale Netze eingesetzt werden. Mittels hoher Rechenleistung und Methoden der Mustererkennung wird versucht, die Wirkung kursbeeinflussender Faktoren zu erkennen. Bisher blieb dieses sehr aufwendige Verfahren allerdings den meisten Anwendern von Börsenprogrammen verschlossen. Andreas Knöpfel, der Entwickler des Programms Neuronet Prophecy, bietet jetzt ein Programm, das auch unbedarfte Börsenfreaks in die Lage versetzt, in wenigen Schritten ein Kursprognosemodell auf Basis eines Neuronalen Netzes aufzubauen.
Mehr und mehr werden auch Depotverwaltungs-Module angeboten, die es dem Anleger ermöglichen, sein Wertpapierdepot von zu Hause aus zu verwalten. Nach Eingabe der Bestände erfolgt die weitere Bewertung regelmäßig über die Kursdatenbanken der Softwarehäuser. Vermögensstruktur, realisierte und nicht realisierte Gewinne und Verluste sind jederzeit abrufbar.
Vor dem Kauf eines der Börsenprogramme sollte der Anleger die in der Regel angebotene Demo-Version bestellen. Die dafür fällige Gebühr wird bei späterem Erwerb der Vollversion in fast allen Fällen erstattet.
Copyright: DIE WELT, 7.9.1995