
Fonds-Shopping per Computer
DIT als erster deutscher Anbieter im Internet - Online-Marketing hierzulande noch unterentwickelt
Von JÖRG BIRKELBACH
Nideggen - Die Dresdner Bank Investmenttochter DIT geht in Deutschland als erste Investmentgesellschaft ins Internet und kommt damit dem Branchenprimus DWS zuvor. Die Entscheider der DIT waren nicht nur die schnellsten, sie haben darüber hinaus den Mut aufgebracht, unter dem Menüpunkt DIT Direct den interaktiven Erwerb von Fondsanteilen zu ermöglichen. Mut deshalb, weil warnende Stimmen vor den Gefahren des chaotischen Rechnerverbunds warnen.
In der Tat werden sensible Daten im virtuellen Fondsshop der DIT abgefragt. So kann der Homebörsianer beispielsweise seinen Freistellungsauftrag über das Internet abgeben oder modifizieren. Tim Cole, Chefredakteur des Internet Reports, sieht die Diskussion über die Sicherheit im Internet allerdings gelassen: "Jedem Kellner gibt man bereitwillig seine Kreditkarte mit."
Seit Eröffnung des virtuellen Fondsshops (http://www.dit.de) konnten nach Auskunft der DIT rund 60 000 Zuschaltungen registriert werden. Davon haben knapp 24 000 die täglichen Fonds-Preise nachgefragt. Etwa 20 000 Internet-Nutzer informierten sich anhand der gebotenen Kurzcharakteristiken über das Angebot.
Die Besucher dürften allerdings spätestens nach ihrem ersten Besuch schwer motivierbar sein, noch einmal zurückzukehren, fehlt es dem Internet-Angebot der DIT an entsprechenden Attraktionen. Dort findet man überwiegend die gleichen Materialien und Informationen, die man schon den klassischen Publikationen entnehmen kann. Macht der virtuelle Fondskäufer später die Rechnung auf, so wird er ernüchtert feststellen, daß er die Investmentanteile besser direkt bei der nächsten Dresdner-Bank-Filiale erworben hätte. Denn einen Preisnachlaß gibt es nicht, zudem müssen die Internetkosten dem Ausgabeaufschlag hinzugerechnet werden und das alles ohne eine qualifizierte Beratung.
Von einem Direktvertrieb hat man bei der DWS (http://www.dws.de) zunächst erst einmal abgesehen. Vielleicht will man den ersten Skandal bezüglich eines Informations-Diebstahls anderen Instituten überlassen. So begnügt man sich in der Darstellung der vielfältigen und variantenreichen hauseigenen Fonds. Dies dürfte den Net-Surfer recht schnell langweilen, denn auch DWS schöpft die Möglichkeiten des Internet nicht aus. Erheblich besser gelungen ist dagegen die T-Online-Service der DWS (*dws#), der, gemessen an den bescheidenen Möglichkeiten des CEPT-Standards, Informationen zu hauseigenen Fonds bietet.
Daß das Internet mehr ist als bloß ein Informations-Kanal, zeigt Fidelity Investment: Unter http://www.fid-inv.com/ finden Anwender ausgefeilte Datenbankfunktionen, so daß genaue Abfragen möglich werden. Ähnlich interessant ist der Service Fund Watch Online, der über CompuServe erreichbar ist. Hier stehen alle Daten Tausender Fonds zur Verfügung. Über frei definierbare Abfragen kann man Informationen in einer Zielgenauigkeit erlangen, die Fondsmanager hierzulande vor Neid erblassen läßt. Tagesaktuelle Kursus-Updates zu Anteilen der wichtigsten Investmentfonds findet man auch bei Anbietern im Rahmen von T-Online, so bei DM Direkt *DM# und NWP, Worms *NWP#.
Copyright: DIE WELT, 25.10.1995