Handelsblatt Verlag

Der Informations-Highway zu den Börsen der Welt

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von Jörg Birkelbach

ONLINE-BANKING (1) / Finanzinformationen im Internet finden

Immer mehr Anleger sind fasziniert von der Idee, Bank- und Börsengeschäfte zu erledigen, wenn die klassischen Bankschalter längst geschlossen haben. Die zahlreichen Möglichkeiten, die der Home-Banker heute bereits nutzen kann, erläutert die neue Serie Online-Banking.

DÜSSELDORF. Online Börsianer, Home- oder Cyberbanker läßt sich die neue Generation von Geldanlegern gerne nennen. Mit Stolz berichten sie, daß ihr letzter Bankbesuch schon Monate zurückliegt und sie ihren Kundenberater nur bei der Unterschriftsleistung gesehen haben. Einige von ihnen behaupten sogar, ihre Börsengeschäfte direkt über das Internet abwickeln zu können. Es herrscht derzeit eine Aufbruchstimmung, manche Beobachter sprechen sogar vom Goldrausch.

Das Internet mit seinen vermuteten 35 Millionen Teilnehmern schickt sich an, die Denk- und Arbeitsweise zahlreicher Menschen um die ganze Welt zu prägen. Auch Geschäftsleute und Wirtschaftsexperten in Deutschland können sich dieser Entwicklung nicht länger entziehen, und dies ist mit einer der Gründe, um vermehrt über die Kommerzialisierung und die Ertragspotentiale, die sich durch das Internet ergeben können, zu diskutieren. Möglich wurde dies vor allem durch Anwendungen, wie das World Wide Web (kurz Web) und die immer einfacher werdenden Zugangsmöglichkeiten, die mittlerweile von allen Online-Diensten (T-Online, CompuServe, AOL und MSN) geboten werden.

Nützliche Informationen überwiegend kostenfrei

Hinzu kommt, daß Ausflüge in ein Datennetz mit derartigen Dimensionen faszinierend sind. Mit solchen Kommunikations- und Informationsmedien ausgestattet, werden zukünftig immer mehr Börsengeschäfte über das Internet abgewickelt.

Das Internet bietet eine täglich wachsende Zahl an Informationen, die für Anleger interessant und wertvoll sind und überwiegend noch kostenfrei zur Verfügung stehen. Darunter finden sich auch renommierte Handelshäuser, wie JP Morgan, Morgan Stanley, Goldman & Sachs internationale Banken wie die Citibank, Barclay's oder Wells Fargo. Selbst einige deutsche Institute haben diesen für Deutschland schon fast revolutionären Schritt gewagt.

Allen voran präsentiert sich dieDeutsche Bank AG mit ihren Töchtern Bank 24, DWS und Deutsche Bauspar AG im Internet. Auch die Dresdner-Bank Töchter Diri und DIT, die Hypobank, Consors und die Dirket Anlage Bank sind im Netz präsent. Den mit Abstand interessantesten Dienst bietet allerdings die Privatbank Gries & Heissel aus Berlin, den man unter http://www.guh.de/home findet. Nach der Landesgirokasse Stuttgart, der West LB und der Kreissparkasse Köln hat nun auch für die öffentlich rechtlichen Institute das virtuelle Zeitalter begonnen.

Marktübersicht für wichtige Finanzdaten

Die Chicago Mercantile Exchange ist die erste Futures-Börse im Web. Geschäfte kann man aber hier ebensowenig abwickeln wie an der Liffe, Europas bedeutendstem Termin-Markt. Beide Börsen wollen ihre Präsenz im Internet demnächst stark ausbauen und bieten gegenwärtig eine Vielzahl an kostenfreien Kursen und Marktberichten.

Kostenfreie, dafür aber zeitverzögerte Aktienkurse findet der Datenreisende z.B. bei Security APL und QuoteCom. Security APL ist das Angebot eines Chicagoer Stock Brokers, der freie Aktienkurse offeriert und über 6000 Werte handelt. Quote Com ist einer der bekanntesten Anbieter von Börseninfos

Einen kompletten Marktüberblick mit Daten zu Zinsen der langfristigen Staatsanleihen, der wichtigsten Devisen-Crossrates, Marktindizes und verschiedenen Intraday-Charts von wichtigen Marktindikatoren findet der Home-Börsianer bei Andys Screenshot. Diese wertvolle Informationssammlung gibt es einmal täglich um 14 Uhr amerikanischer Zeit und kostet nichts (http://www.finacor.chi.il.us/bonds/andy/andy.htm). The Rich Financial Group bietet Investment News online und eine Sektion über Managed Money für Commodity Trading Advisors (CTA's) unter http://www.ino.com.

Ein weiteres interessantes Anwendungsgebiet im Web sind die virtuellen Buchhandlungen, wie zum Beispiel die von JF Lehmann in Berlin ( http://www.lob.de). Dort kann man gleich den gewünschten Titel zum Thema Internet auswählen und bestellen. Die Bücher kommen dann auf traditionellem Wege ins Haus. Blackwell publishers, Harper Collins, Harvard Business School Publishing, Richard D Irvin, McGraw Hill und John Wiley & Sons sind ebenfalls im Internet vertreten. Sie erreichen die Verlage zum Beispiel über den Internet-Server der Ohio State University.

Darüber hinaus bietet der Internet-Anschluß auch kostenfreien Zugriff auf die Bibliotheken und Archive weltweit bedeutender Universitäten und natürlich ihrer Wirtschaftsfakultäten. In der Bundesrepublik verdient das Institut für betriebswirtschaftliche Geldwirtschaft der Universität in Göttingen hohe Aufmerksamkeit. Hilfestellungen und Themensammlungen dieser Art sind nicht nur für Internet- Anfänger sehr nützlich.

Online-Bücher und Aufsätze zum Themenbereich Risk Management, Investmentanalyse und Geldanlage finden sich ebenso wie komplette Ausbildungsprogramme und Trainingskurse zum Thema Börse und Spekulation. Barron's Business Week, The Economist, Euromoney Financial World, Harvard Business Review und das renommierte Wall Street Journal sind dabei die Anbieter.

Multimediale und computergestützte Lernprogramme, Börsenspiele und Marktsimulationen, Videos über das Finanzthema und Online-Kurse sind ebenfalls vorhanden, wie Power-Point -Dateien, die auf den heimischen PC heruntergeladen werden können, um die Erstellung eigener Präsentationen zu inspirieren.

Mit Suchbegriffen neue Dienste aufspüren

Insbesondere unerfahrenen "Internetern" wird empfohlen, die Server Edgar oder Yahoo anzusteuern. Über diesen Dienst findet er dann Zugang zu Wirtschaftsindikatoren, Daten zu Investmentfonds, internationale Marktberichte, Wertpapier und Kursinformationen, Investmentstrategien und Anlagetips, wissenschaftliche Ausarbeitungen zum Thema Kapitalmarkt und vieles mehr.

Generell gilt die Regel, über einen Browser irgendwelche Suchbegriffe, die mit dem Thema Business oder Börse etwas zu tun haben, einzugeben. Das Ergebnis ist jedesmal wieder überwältigend, und immer wieder findet man neue Dienste.

Erschienen in:

Handelsblatt
08.01.96, Seite 40